Neuro01

Was ist neurozentriertes Training oder Neuroathletik?

Neurozentriertes Training oder auch Neuroathletik hat sich in der Sportszene als fester Begriff etabliert. Gerne möchte ich einen kleinen, vereinfachten Einblick geben, was genau Neuroathletik ist und warum Sportarten davon profitieren können.

Ganz grundsätzlich gilt: Neuron = Nerv, Athletik = Sport & Bewegung. Neuroathletik hat nichts mit Psychologie im Gehirn zu tun. Es werden keine Denkprozesse bearbeitet, sondern es geht vielmehr um die Frage, wie können wir Bewegungen, die vom Gehirn gesteuert werden, so beeinflussen, dass die Bewegung in jeder Situation perfekt ausgeführt werden kann.

Wenn wir uns das Gehirn anschauen, dann unterscheiden wir zwischen einem neuen Gehirn, dem Bewusstsein (Neokortex, Bereich über der schwarzen Line, siehe Bild unten) und einem alten Gehirn, dem sogenannten Unterbewusstsein. Am Beispiel eines Eisberges kann man sich das folgendermassen vorstellen: Das neue Gehirn ist dasjenige, welches auf der Oberfläche zu sehen ist, also das, was wir wahrnehmen und darunter befindet sich das alte Gehirn als riesige Fläche, von der wir nichts mitkriegen, welches aber einen grossen Teil der Funktionen ausübt.

Im neuen Gehirn finden die exekutiven Funktionen statt wie das Denken, die motorischen Bewegungen, Kreativität, Sprachen, Entscheidungen, Visionen etc. Das alte Gehirn hat primär die Aufgabe, die Situationen zu analysieren und zu überprüfen, ob sie sicher sind oder nicht. Danach werden die Informationen und Handlungen an das neue Gehirn weitergeleitet. Im Bereich des neuen Gehirns gibt es Neuronen, die sowohl das neue Gehirn aktivieren und zugleich das alte Gehirn und somit das Unterbewusstsein hemmen können. Dies ist eine der Hauptaufgaben des neuen Gehirns. Die Kreativität und das klare Denken finden immer dann am besten statt, wenn wir uns in der Gegenwart befinden, also wenn wir im Bewusstsein sind.  Zum Beispiel: negative Erfahrung. Jeder von uns kennt das, dass in stressigen Situationen oft alte Bewegungs-Muster sowohl im Training also auch im Wettkampf zum Vorschein treten. Das hat damit zu tun, dass das alte Gehirn die Übermacht gewinnt und das neue Gehirn nicht mehr in der Lage ist, das alte Gehirn zu hemmen.

Für die Bewegung sind die wichtigen Bereiche im alten Gehirn das Stammhirn, wo die Hirnnerven-Wege sitzen und das Kleinhirn, welches zum grossen Teil für die Bewegungskoordination, -Genauigkeit und die Balance (Stabilität) zuständig.

Wie funktioniert das Gehirn? Folgende Unterteilung ist zentral: Input, Integration und Output.

  1. Die Inputs können wie folgt wahrgenommen werden:
  • Visuell (Augen),
  • Vestibuläres System (befindet sich im Innenohr, verantwortlich für die Stabilität)
  • Propriozeption (Körperwahrnehmung im Raum)
  • Taktil (Tastsinn betreffend, also was ich berühre)
  • Interozeptoren (alle Sinnesinformationen, welche aus den Muskeln, Organen zum Gehirn kommen)
  1. Integration:
  • Die Integration im Gehirn entscheidet wie gut die Daten weitergleitet werden können. Z. B. Spiel-Situation: ein Gegenspieler läuft auf mich zu, gleichzeitig kommt ein zweiter von der Seite auf mich zu. Den zweiten Gegenspieler sehe ich nur in meinem peripheren Sichtfeld. Nun ist hier entscheidend, wie gut das Gehirn die Gefahr im peripheren Sichtfeld einschätzen und kontrollieren kann.
  1. Darauf folgt ein Output
  • Das Gehirn erzeugt einen Output aufgrund der Daten, die es bekommt und verarbeitet hat. Zum Beispiel: Timing eines Kopfballs. Hier ist entscheidend, wie gut die Inputs über das visuelle System aufgenommen und verarbeitet werden. Dies kann zu einem Erfolg oder Nicht-Erfolg führen.

Fazit:

Umso besser der Input und die Integration, umso besser der Output. Neuroathletik zielt darauf ab, diese Inputs und die Integration zu prüfen und zu optimieren, sodass die Skills (der Output) des Sportlers verbessert werden. Leider ist heute oft der Fall, dass nur die motorischen Komponenten berücksichtigt werden, z. Bsp., wenn die Passqualität oder Schusspräzision noch nicht genügend ist, wird der Spieler tausendfach auf ein Tor schiessen und tausendfach Pässe spielen. Natürlich wird hier durch die Wiederholung und Disziplin Verbesserung erzielt. Neuroathletik besagt jedoch, dass der Prozess, um sich zu verbessern, um ein Vielfaches beschleunigt werden kann, wenn man statt der Symptome, die Ursache bekämpft. Somit ist klar, dass jede Sportart von der Neuroathletik profitieren kann.

José

 

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